WEMAKETHECAKE Reverie Konzert Cassiopeia Berlin (1)
Allgemein, Lifestyle, Musik

Lieblingsrap aus LA: Reverie im Cassiopeia

Ich habe es in den October Soundtracks schon angekündigt – am 29.10.2014 trat meine Lieblingsrapperin Reverie im Cassiopeia auf. Der Auftritt in Berlin war der Abschluss ihrer zweiwöchigen Europa-Tour. An 13 aufeinander folgenden Tagen tourte sie durch Frankreich, Belgien, Bulgarien, die Niederlande und Deutschland. Begleitet wurde die 24-jährige von ihrem Bruder Louden, mit dem sie ihre Alben produziert, und dem Rapper Self Provoked. Alle ihre Alben stellt die Musikerin als kostenlosen Download zur Verfügung.

Die Geschwister Reverie und Louden sind gemeinsam in Los Angeles aufgewachsen. Bereits als Kind gewann Reverie Auszeichnungen für ihre selbstgeschrieben Gedichte, von denen einige sogar in Büchern veröffentlicht wurden. Mit 14 Jahren entdeckte sie Hip Hop für sich und verwandelte ihre gesprochenen Reime in Rap. Mit ihrem jüngeren Bruder arbeitet sie seitdem gemeinsam an Songs und Alben.

Mein Eindruck von ihr war schon immer total unprätentiös, offen und sympatisch. Ich war unglaublich gespannt auf das Konzert. Denn anschließend sollte ich sie Backstage zu einem kurzen Interview treffen. Aufgeregt wie ein Kind vor Heiligabend konnte ich am Abend vorher kaum einschlafen. Das Konzert allein war schon ein voller Erfolg – innerhalb von Sekunden rissen die Geschwister das ganze Publikum mit und bieten knapp über eine Stunde feinsten Underground Hip Hop. Beim Interview wurde mein positiver Eindruck von Reverie nur bestätigt.

WEMAKETHECAKE Reverie Konzert Cassiopeia Berlin (2)

Hast du etwas von den Städten gesehen, die du während deiner Tour besucht hast? Oder ging es für dich nur von Auftritt zu Auftritt, ohne etwas dazwischen mitzubekommen?

Ich habe wirklich nicht viel dazwischen mitbekommen. 13 oder 14 Stunden sind wir von den USA nach England geflogen. Von dort ging es direkt weiter nach Frankreich. Dort angekommen wurden wir vom Flughafen abgeholt und sind zum Soundcheck gefahren. Dann kurz ins Hotel, essen, eine Stunde schlafen und dann der erste Auftritt. Dann ein Interview. Und so ging das immer und immer wieder – dreizehn Tage hintereinander. Dazwischen haben wir noch das Video zu 1 Syllable gedreht und waren bei einer Radioshow. Es ist eben kein Urlaub. Wenn ich wieder nach Hause komme, werden meine Familie und meine Freund fragen, ob ich Sehenswürdigkeiten gesehen habe. Und ich kann nur antworten: Hell, no. Wir waren durchgehend beschäftigt. Aber das ist cool. Das ist mein Job und ich liebe es.

Unterscheidet sich das Publikum in Europa vom Publikum in den USA?

Der einzige wirkliche Unterschied ist die Sprachbarriere. Nicht alle sprechen hier fließend Englisch. Aber was die Energie und das Gefühl bei den Shows selbst betrifft, ist es identisch. Wenn ich nicht wüsste, dass nicht alle Englisch sprechen, würde ich nichts merken.

Auf deiner Facebook Seite postest du oft Bilder von gesunden Mahlzeiten, die du dir zubereitet hast. Ok, gerade isst du Pizza, aber dir ist gesundes Essen sehr wichtig und das willst du auch deinen Fans vermitteln.

Ich versuche, einen gesunden Lifestyle zu leben. Ich will auf meinen Körper aufpassen – ich habe nur diesen einen. Ich habe das Gefühl, dass die Leute das oft nicht realisieren. Bis sie 50 sind und den ersten Herzinfarkt haben. Deswegen finde ich es wichtig, darüber zu reden, wenn man jünger ist. Viele hören vielleicht nicht auf ihren Arzt oder ihre Mutter oder ihre Lehrer, aber vielleicht auf mich. Und das möchte ich positiv nutzen. Es ist unglaublich, was für Scheiß heutzutage im Essen ist. Ich weiß nicht, wie es hier in Europa ist, aber in den Vereinigten Staaten ist es wirklich widerlich. Es ist pure Chemie. Das vergiftet dich. Der Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelzulassungsbehörde ist es erlaubt, Gifte in unser Essen zu geben, um Geld daraus zu machen. Ich finde das traurig, es macht mich sehr wütend und ich glaube, dass sich die Leute nicht bewusst sind, was sie da essen. Ich finde es wichtig, darüber zu reden, denn ich will, dass die Leute darüber Bescheid wissen.

Du gehört zu einem der wenigen Künstler, die ihre kompletten Tracks zum kostenlosen Download stellen. Warum ist es dir so wichtig, deine Musik deinen Fans frei zugänglich zu machen?

Ich würde sagen, 2014 will doch keiner mehr für Musik zahlen. Die, die für deine Musik zahlen würden, sind vielleicht 10% deiner Fans. Das ist auch absolut in Ordnung. Aber wenn ich meine Musik nicht kostenlos freigeben würde, würde sie nicht so viele Leute erreichen. Ich denke, heutzutage ist kostenfreie Musik der einzige Weg.

Was sind die bereicherndsten Momente für dich als Musiker? Wenn du ein Album beendest oder nach einem Konzert?

Der bereicherndste Teil meiner Arbeit ist es, wenn mir Leute sagen, dass meine Musik ihnen geholfen hat – durch Depressionen, eine Trennung. Dass ich ihr Leben gerettet habe. Mir haben Leute erzählt, dass sie Suizid begehen wollten und sie es nicht gemacht haben, weil sie meine Musik anhörten. Und das ist wirklich die schönste Belohnung für meine Arbeit. Kein Geld auf der Welt, keine Drogen könnten mir ein so gutes Gefühl geben.

Was machst du selbst noch, um dich gut zu fühlen?

Vor ein paar Monate habe ich angefangen, zu laufen. Ich mag das echt gerne. Das baut Stress ab. Ich merke, wieviel Wut aus mir weicht, wenn ich wirklich schnell renne. Für mich ist physische Anstrengung das Beste, um Stress abzubauen. Mir wurden auch Meditation oder Yoga empfohlen, aber ich bin niemand, der lange still sitzen kann. Ich weiß schon, dass ich das lernen könnte, aber soweit bin ich nicht. Also renne ich einfach. Sonst male ich auch gerne, ich mag Graffiti. Ich verbringe gerne Zeit mit meinen Freunden. Ich mag Parties, ich bin ein Partygirl. Nicht im Club, aber mit meinen Homegirls – einfach eine gute Zeit haben. I just like to live, man.

WEMAKETHECAKE Reverie Konzert Cassiopeia Berlin Miriam mit Reverie

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