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Kolumne | Sich trauen, mal etwas zu wagen

Dass mich eine Werbe-Image-Film dazu anregt, zum obigen Titel aus dem tiefen Nähkästchen zu plaudern, hätte ich wohl selbst nicht erwartet. Der süße Film von Leibniz hat aber in meinem Inneren übertragene Erinnerungen an meine eigene Kindheit, Jugend und wenn ich ehrlich bin auch an meine Gegenwart geweckt, die, wenn man sie reflektiert, ziemlich weit geführt haben. Denn einmal etwas zu wagen, ein Risiko in Kauf zu nehmen, oder sich einfach von der Masse abzuheben, kann zu ganz Großem reichen.


Viele Wege führen nach Berlin – doch wie war eigentlich meiner? Für mich stand schon mit vierzehn fest, dass Berlin meine einzige Liebe und die Wahlheimat ist. Eine große Rolle hat dabei mein Super-Onkel Stefan gespielt, der mich in Monatsabständen zu sich nach Kreuzberg geladen hat, in den waschechten Kotti Kiez, und mir das wahre Berlin gezeigt hat. Mit ihm habe ich in einer lauen Sommernacht am Badeschiff die erste Club Mate getrunken und wenig später die erste Clubnacht gefeiert. Bis heute ist ein wenig unklar wie er eine Vierzähn-Jährige im All-Over-Print Blutsgeschwister Outfit in den Underground Laden schleusen konnte. Noch vor der mündlichen Abi-Prüfung war ich jedenfalls eine zugezogene Berlinerin, kam mit sieben Sachen in meiner WG am Landwehrkanal an und träumte von der großen barrierenfreien Welt. Genau das liebe ich bis heute an Berlin – du kannst sein, tun, denken und machen, was du willst.

In meiner Kindheit und Schulzeit hatte ich oftmals mit Vorurteilen und Lästereien zu kämpfen, schließlich war ich ein ziemlich cleveres, aber vorlautes, Köpfchen und bewegte mich dadurch in der Liga zwischen Oberstreber und Klassenclown. Spätestens als ich mit einem rosa-gestrickten XXL Poncho, den mein Vater von meinem Wunschzettel ablas und kurzerhand aus Japan importierte, in der fünften Klasse das Zimmer betrat, war der Drops gelutscht: Ich wurde zum Lästeropfer Number One. Nicht, dass mich das abgehalten hätte, meinen bunten Modestil auszuprobieren. Es folgten lila Haare, kurze Haare, lockige Haare, und dazu ganz viele Mode Faux-Pas über die ich heute herrlich lachen kann. Doch meine Supporter und bis heute Freundinnen Sophie und Mareen haben mich abgefeiert, genau wie meine liebe Maman – und mich kommentarlos mein Ding machen lassen.

Mit siebzehn habe ich durch tausend Zufälle gemeinsam mit Inga WEMAKETHECAKE gegründet, unser eigenes Unternehmen, dass anfangs eigentlich gar keines sein sollte. Wir verkauften Jutebeutel en masse, reisten durch die Republik und genossen vielerorts Applaus und Komplimente. Doch diese wiederholten sich nicht unbedingt in unserem engeren Umfeld. Neid und Kritik, vor allem im Hinblick auf den gleichnamigen Modeblog, inklusive echter ‚Hater‘ wurden ebenfalls Teil unseres neuen, professionelleren, Alltags. Wir wurden wieder zu Supportern, füreinander, und hatten zum Glück einen riesen Freundeskreis und tolle Familien, die sich für uns freuten. Der rapide Umzug nach Berlin lag für uns beide Nahe um aus dem engstirnigen Hannover zu entkommen.

Für mich begann wenig später das Studium an der AMD Berlin – eine private Modeuni – da prallt es natürlich nur von Vorurteilen. Ich habe es durchgezogen, mit Bravour, und nebenbei immer hart gearbeitet um den ganzen Spaß zu finanzieren, während sich andere Schulfreunde in diversen sozialen Jahren orientierten. Was ist die Kernessenz dieser Story? Straight und konsequent zu sein, sein eigenes Ding zu machen, kann zu verdammt noch einmal viel führen. Sei es, wie im obigen Video, die große Liebe zu finden, oder wie in meinem Exemple eine berufliche Karriere zu starten, deren Blütezeit gefühlt gar nicht mehr aufhört. Mittlerweile arbeite ich in meinem Traumberuf – als Einkäuferin für einen großen deutschen E-Tailer – und bin mir sicher, dass meine Supporter rechts und links, von Kind auf bis heute, an diesem Erfolg großen Anteil haben. Hinzukommt der eigene Kopf, das Durchhaltevermögen und sich zu trauen, mal etwas zu wagen.

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