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Allgemein, Mode

Kolumne: Die Luxurisierung des Sneakers

Für meine Trend- und Modekolumnen in der HAZ Sonntag nehme ich mir gerne Themen vor, die etwas tiefergehend diskutiert werden können. Heute möchte ich meine Worte zum Thema Sneaker mit euch teilen. Der Mega Trend ist euch bereits bekannt. Doch ist dieser Trend so bewusst anders zu betrachten, weil er etwas ganz besonderes mit der Mode angestellt hat: Er zerrt an den Hierarchien der Branche. Wann habt ihr jemals bemerkt, dass so viele Luxuslabels offensichtlich von den Mainstream Sport Labels kopieren?

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Von der Highstreet in die Couture – Der Sneaker Kult revolutioniert die Modehierarchie. Ein Trend, der wie für die Straße gemacht zu sein scheint, erobert nach und nach die Laufstege der wichtigsten Modemetropolen.

„Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ Der Satz stammt von Modezar Karl Lagerfeld, der für seine bereits über Jahrzehnte ausgeübte Detailliebe und die Verarbeitung höchstexklusiver Materialien bekannt ist. Nach einer Aussage wie dieser, hätte vermutlich niemand erwartet, dass er jemals einen Turnschuh über den Chanel Catwalk laufen ließe. Falsch gedacht: Im Frühjahr 2014 kreierte Herr Lagerfeld einen Luxus Sneaker mit eingebettetem Chanel Tweet. Über 1.500 Euro kostet eines der heißbegehrten Exemplare.

 

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CHANEL VS ADIDAS ZX FLUX (4)

Mit seinem international gefragten Design trifft er den Zeitgeist, den sich auch andere Designer zu eigen gemacht haben. Man hat verstanden, dass sich Turnschuhe als Mega Trend, auch bei den modischsten Street Style Ikonen, durchgesetzt hat. Warum damit nicht etwas Geld verdienen? Isabel Marant, Saint Laurent, Louis Vuitton, Céline – all diese Labels führten Sneaker in ihren Prêt-à-Porter Kollektionen vor und orientierten sich an dem Design auf offensichtliche Weise an den Profis der Sportswear Branche. Verdächtig ähnlich sind die Schnitte von Isabel Marant vs. Adidas, Céline vs. Nike und Vans, Louis Vuitton und Karl by Karl Lagerfeld vs. New Balance. Ein so ausgeprägtes Plagiat Phänomen haben Modekritiker selten gesehen.

ISABEL MARANT VS Adidas Stan Smith 1

Doch woher kommt eigentlich der Kult?

Zunächst ein Blick in die Vergangenheit:

Der „Sneaker“, ein Begriff für alltagstaugliche Sportschuhe, hat seinen Ursprung weit zurück in der Geschichte. Bereits 1860 entwickelte Samuel Plimsoll einen Krockettschuh mit flexibler Gummisohle. Knapp 60 Jahre später entstand das Label Keds und machte den Sneaker für alle Generationen massentauglich. Im Jahr 1919 schloss sich das Label Converse an und entwarf seinen „All Star“, der bis heute eine unangefochtene Legende unter den Sneakern ist und von Anfang an im Alltag getragen wurde. Dass die Deutschen besonders Turnschuh affin sind, mag an der Pionierstellung der deutschen Dassler Brüder liegen. Rudolf und Adolf („Adi“) Dassler fertigten in den 20er Jahren erstmals Turnschuhe in der Waschküche ihrer Mutter. Nur kurze Zeit später erlebten sie mit Fußballschuhen, die bei den Olympischen Spielen getragen wurden, den Durchbruch ihres Unternehmens Adidas. Nach dem zweiten Weltkrieg trennten sich die Brüder wegen eines Streits, woraufhin Rudolf Dassler das Unternehmen Puma gründete. Der Ort Herzogenaurach steht seitdem für geballte Sneakerkompetenz.

SAINT LAURENT (2)

SAINT LAURENT VS VANS Sk8 HIGH (2)

 

Die neue Lässigkeit hat sich in der Modeszene etabliert. Die Angst vor Kopfsteinpflaster, schmerzenden Füßen und müden Beinen verliert gegen das Mitmischen des sportlichen Trends, der heute auch ein neues Frauenbild impliziert: Der Sneaker gibt der Frau eine neue Selbstständigkeit und Stärke. Während der hohe Absatz Verletzlichkeit und Fragilität sowie eine gewisse Abhängigkeit an den Mann vermittelte, widersprechen sich im Jahr 2014 Sexappeal und Turnschuh überhaupt nicht mehr. Es ist das Selbstbewusstsein, dass die Frau von heute ausmacht. Es übersteigt sogar das Gefühl, „underdressed“ zu sein. Man könnte behaupten es sei schick, sich nicht mehr schick zu machen. Gleichzeitig ist es ein Mittel, seinen modischen Mut zu verkörpern.

KARL LAGERFELD VS NB

Ein Sinnbild der „Fusion“ von Selbstbewusstsein und Modekompetenz, ist der gleichnamige Sneaker des Couture Hauses Dior. Während der lässige Slip-On Schuh, dessen Schnitt an ein ähnliches Modell von Nike erinnert, einen klassischen Streetwear Look verkörpert, werfen Pailletten Bestickungen den Gedanken an Haute Couture wieder auf. Erneut sieht sich die Vereinbarkeit beider Aspekte bewiesen.

Während zu Beginn des Sneaker Hypes sportlich geschnittene Modelle in knalligen Farben das Objekt der Begierde waren, erleben mittlerweile altbekannte Klassiker, „Oldschool Modelle“, wie der Tennisschuh Stan Smith von Adidas ein Revival. Die gefragten Modelle werden klassischer, minimalistisch und gehören zu einer Trendbewegung, die sich „Normcore“ oder „Back to Basics“ nennt. Saint Laurent, Isabel Marant und Céline reagierten bereits entsprechend, um an dem Trend der Highstreet teilzuhaben.

DIOR (2)

Text: Hanna Janzen | Bilder: via Pinterest

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