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Allgemein, Inspirationen, Mode

„Generation Blog“ – Ein Gespräch mit Anouk Jans

Anouk Jans ist das Wunderkind der deutschen Bloggerszene. Mit 13 fing sie an, über Mode und Lifestyle zu posten. Jetzt, mit 20, führt sie ein international erfolgreiches Blogazine und veröffentlicht ihr erstes Buch. Ein Gespräch über ihre Generation.

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Eine Reise nach New York ist der Auslöser. Damals ist Anouk Jans gerade einmal 13 Jahre alt. Nachdem sie einen Artikel über die noch jüngere und sehr erfolgreiche US-Bloggerin Tavi Gevinson liest, denkt sich die Hamburgerin: Das kann ich auch. Und gründet mit „Anouk On The Brink“ einen der ersten deutschen Blogs. Sie schreibt über alles, was ihr gefällt: Mode, Lifestyle, Fotografie, Kunst. Sie stellt Jungdesigner vor, Labels, Trends und andere Blogger – Und macht sich in der Modebranche einen Namen. Heute, mit 20, blickt Anouk Jans auf eine steile Karriere zurück. Inzwischen kann man ihre Geschichten in dem von ihr gelaunchten Blogazine „4Pigeons“ lesen. Außerdem arbeitete Anouk in der Vergangenheit als Modechefin beim Magazin Hansestyle und beim Hamburger Label Closed im Bereich Social Media. Seit Januar ist Anouk als Junior-Editor für Marc O’Polo tätig. Im September erscheint ihr erstes Buch: „#Generation Blog: In 20 Schritten zum Erfolg mit Deutschlands jüngster Modebloggerin“ ist Autobiografie und Ratgeber zugleich. Hanna traf Anouk für ein Gespräch über Blogs, Business und Bücher.

Liebe Anouk, der Titel deines Buches, das im September im Verlag Edel Berlin erscheint, heißt „#Generation Blog“ – was hat es damit auf sich?

Anstoß für den Titel war für mich persönlich die Frage: Für wen schreibe ich dieses Buch überhaupt? Schon in einem Gespräch mit meinem Verlag war ich gefragt worden, weshalb ich das Buch schreiben will und ich antwortete schlicht: Naja, für meine Generation! Die Generation Social Media, die Generation, die mit dem Bloggen aufwächst, für die Blogger zu den Idolen zählen. In den letzten Jahren habe ich oft gehört, dass viele Mädchen aus meiner Generation davon träumen, später einmal Modebloggerin zu werden. Bei Präsentationen, die ich im Apple-Store oder bei der Affordable Art Fair gehalten habe, wurde ich immer wieder gefragt, wie man mit einem Blog erfolgreich sein kann. Und da dachte ich mir, dass ich meine Gedanken dazu einfach mal niederschreiben könnte.

Das bedeutet, du gibst deiner Generation Tipps fürs Bloggen?

Genau. Eigentlich ist das Buch ein Mix aus Autobiografie und Ratgeber. Ich erzähle von meinem Werdegang als Bloggerin, von den frühen Anfängen bis heute, von dem Eintritt in die richtige Arbeitswelt, von dem ersten festen Job und gebe auf der anderen Seite ein paar Tipps. Das Buch ist etwas für jung und alt. Es erklärt, wie man eigentlich dazu kommt, auf Blogs und Social Media-Kanälen aktiv zu werden.

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Ich persönlich denke, dass nicht jeder einfach Blogger werden kann. Dazu gehört ziemlich viel. Was denkst du, weshalb gerade du mit dem Bloggen Erfolg hattest und hast?

Wenn ich darüber nachdenke, was jemand braucht, um in der Modebranche erfolgreich zu sein, ist es vor allem Durchhaltevermögen, Selbstbewusstsein, auf jeden Fall Zielstrebigkeit und vor allem ein Gefühl für den richtigen Zeitpunkt, etwas Bestimmtes zu tun. Gerade Letzteres ist etwas, das man nicht erlernen kann. Das Gefühl dafür, wann man was wo platziert. Das ist ähnlich wie beim Trendscouting. Man muss gut beobachten, wie sich die Welt um uns herum verändert und man muss sich mit ihr verändern. „The eye has to travel“ – man muss immer die Augen offen halten. Ich denke, ich habe einfach dieses Auge und dieses Gefühl, und das hat letztendlich zu meinem Erfolg beigetragen.

Sicherlich gehört auch dazu, dass du hierzulande zu den Pionieren unter den Bloggern gehörst?

Absolut! Wir waren die allerersten – als du, Hanna, und ich damit angefangen haben, gab es bei uns noch nicht viele vom Format Tavi Gevinson, die gehypt wurde. So richtige Bloggerikonen, die auf den Covern der Vogue und Harpers Bazaar erscheinen, wie das heute ist. Damals war das ganze Umfeld um das Blogging noch viel surrealer. Nicht jeder wusste überhaupt, was ein Blog ist. Heute erobern Bloggerinnen die gesamte Fashionszene, arbeiten als Model und Designer und sind auf der ganzen Welt gefragt.

Hast du denn eine bestimmte Zielgruppe vor Augen, wenn du Beiträge für deinen Blog schreibst oder ein Kapitel für dein Buch?

Ich denke oft an das Publikum, das ich bei großen Events hatte. Beispielsweise habe ich einen Vortrag im Apple Store gehalten und die Messe Blickfang in Hamburg eröffnet. Bei diesen Events stand ich einem sehr gemischten Publikum gegenüber. Das fing bei 15, 16 Jahren an und hörte vielleicht bei Mitte, Ende 30 auf.

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Wer genau ist diese Generation Blog eigentlich?

Ich würde sagen hauptsächlich junge Frauen zwischen 20 und 30. Aber man muss bedenken, dass Blogs mittlerweile zu Magazinen geworden sind und einen ganz anderen Stellenwert in der Szene genießen. Ich schreibe mein Buch für diejenigen, die aktuell einen Blog betreiben, aber auch für diejenigen, die der Szene noch beitreten möchten. Auch für diejenigen, die vielleicht gar nicht unbedingt selbst einen Blog gründen und füttern möchten, sondern eher auf den Social Media-Kanälen aktiv werden wollen. Ein Blog kann genauso für einen Start Up-Unternehmer, der seine Firma pushen möchte, interessant sein, wie für ein junges Mädchen, dass sich auf Grund privater Vorlieben austoben möchte.

Auf was können sich die Leser deines Buches gefasst machen?

In dem Buch reise ich zurück bis an meine Anfänge. Es wird eine Zeitreise, bei der ich die Leser an meinen ersten Schritten und Momenten teilhaben lasse. Vor allem beschreibe ich die kleinen Katastrophen, die ich erlebt habe und nun sehr offen schildere. Das Buch ist sicherlich keine reine Glorifizierung des Blogger-Hypes. Ich gewähre einen Blick hinter die Kulissen, glamouröse Backstage-Eindrücke, zeige aber auch die Probleme und weniger schönen Dinge im Leben eines Bloggers.

Magst du mir eine dieser kleinen Katastrophen verraten?

Damit meine ich Jobs, an denen ich gescheitert bin oder bei denen ich mich sehr unwohl gefühlt habe. Ich denke da an die Fashionweek in Paris, die war für mich sehr hart. Ich spreche von dem Gefühl von Einsamkeit, von dem Gefühl, bestimmten Anforderungen nicht zu genügen oder Dingen nicht gerecht werden zu können. Nicht den Style zu verkörpern, der zu diesem Zeitpunkt angesagt ist. An die vielen Selbstzweifel, die man als Person der Öffentlichkeit genauso gut in sich trägt. Als Modeblogger, als der man sich immer wieder selbst in den Mittelpunkt stellen muss, hat man diese Zweifel vielleicht noch viel intensiver. Das Thema Schein und Sein ist wirklich ein großes Thema in meinem Buch. Wie jeder habe auch ich meine Höhen und Tiefen – mein Instagram Account dagegen zeigt nur ein scheinbar unbekümmertes, rundum glückliches Leben. Das ist kein Thema, das man herunterspielen sollte. Nie wird alles in Realität so sein, wie es im Netz scheint.

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Findest du es denn legitim, dass sich ein Blogger seinen Lesern gegenüber verstellt?

Wir sind Träumer und wir verkörpern und verkaufen Träume. Das ist eben unser Business. Deshalb finde ich es auch nicht verwerflich, dass wir unsere Karriere den schönen Dingen widmen und auf positive Weise inspirieren und faszinieren wollen. Wir möchten den Leuten ein gutes Gefühl geben. Zu sagen, dass wir „faken“, finde ich nicht richtig. Wir fokussieren uns einfach nur auf das Positive. Und für mich persönlich geht es dann darum, die richtige Balance zu finden. Das bedeutet, in manchen Momenten dazu zu stehen, dass nicht alles nur wundervoll ist und in anderen, die Schönheit der Momente zu genießen und zu dokumentieren.

Ist das Buch in gewisser Weise auch ein Bekenntnis an dich selbst?

Auf jeden Fall. Das Buch zu schreiben war für mich wie eine Reise in meine Vergangenheit. Manche Passagen fielen mir gar nicht so leicht. Ich gehe zurück zu meinem 13-jährigen Ich, das in vielen Momenten noch gar nicht wusste, wohin es mit sich gehen soll. Ich war sehr naiv, aber auch sehr frei im Kopf. Und nach einer gewissen Zeit auch sehr verloren, weil ich von der Modewelt verschlungen und verändert wurde. Sich dem Ganzen zu stellen, war ein großes Thema für das Buch. Wenn ich den Weg, den ich gegangen bin, jetzt nach der Fertigstellung des Buches, Revue passieren lasse, ist es gleichzeitig ein Hallo – für etwas Neues – und zugleich ein Abschied.

Vielen Dank, Anouk, für das Gespräch. Ich bin mehr als stolz auf dich und gespannt das auf jede einzelne Seite deines Buches!

 

Interview: Hanna Janzen | Fotos: Anouk Jans / via Instagram

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